Ich trainiere jetzt schon seit 1992 in dieser Karateschule, angefangen als Weißgurt, wie jeder Neuling hier, und seit 1999 als Schwarzgurt.

Selbst bin ich schon seit 1994 als Übungsleiter (Sempai) in den Jugendmannschaften tätig, und habe hunderte Schüler kommen und gehen sehen.

Es passieren logischer Weise immer  lustige, kuriose, manchmal auch seltsame Dinge, die schon für eine Menge Gesprächsstoff und Gelächter gesorgt haben.

In dieser Rubrik Dojo-Story möchte ich einfach mal ein paar dieser Geschichten mit euch teilen.

  • Matajuro und Banzo

    Für alle die, die schon mal in einem Trainingslager Österreich waren, ist dies eigentlich eine bekannte Geschichte aus Japan die immer wieder vorgelesen wird.

    Doch immer wenn die Schüler gefragt werden  : „Erzähl doch mal die Geschichte von Matajuro und Banzo“, gibt es entweder nur große Augen, oder eine dermaßen freie Interpretation dieser Geschichte, dass ich mich entschlossen haben sie hier nochmal im Original wiederzugeben.

    Matajuro Yagyu war der Sohn eines Fechtmeisters. Doch der Vater war mit seinem Sohn, der wegen seinen Ungeduld nur über eine mittelmäßige Technik verfügte nicht zufrieden und sehr unglücklich. Als der Vater einsah, dass sein Sohn es wohl niemals zur Meisterschaft  bringen würde, lehnte er es ab, seinen Sohn weiter zu unterrichten.

    Auch Matajuro war über diesen Entschluss nicht glücklich. Ihm blieb aber keine andere Wahl, als die Entscheidung seines Vaters zu akzeptieren. Da Matajuro aber unbedingt das Ansehen seines Vaters aufrechterhalten wollte überlegte er sich, wie er es dennoch zur Meisterschaft schaffen könnte.

    So machte er sich auf den Weg zum Berg Futara, um den dort lebenden alten Meister Banzo um Unterricht zu bitten. Dort angekommen konnte Banzo das Urteil des Vaters nur bestätigen. „Du genügst den Anforderungen einfach nicht.“

    Voller Verzweiflung versucht er den Meister zu bekehren: „Meister, wenn ich bereit bin, auch über Jahre hinweg sehr hart zu arbeiten, wie lange werde ich dann brauchen, um die Meisterschaft zu erlangen?“, bohrte der junge Mann. „Dein ganzes Leben lang.“ antwortete Banzo.

    „So lange kann ich nicht warten. Ich bin bereit die härtesten Anstrengungen auf mich zu nehmen wenn ihr mich als Schüler akzeptiert. Ich werde auch euer ergebener Diener sein, wie lange dauert die Ausbildung dann?“

    „Oh etwa 10 Jahre“, entgegnete der Meister ruhig.

    Aber ihr wisst doch, mein Vater ist nicht mehr der Jüngste und bald werde ich für ihn sorgen müssen. Wenn ich also noch intensiver arbeiten und trainieren werde, in wie vielen Jahren kann ich es dann schaffen?“

    „Na ja, vielleicht in 30 Jahren“ war die Antwort des freundlichen Alten.

    „Was soll das heißen !? Zuerst sagt ihr 10, dann 30 Jahre. Glaubt mir doch, ich bin bereit alle nur erdenklichen Schwierigkeiten auf mich zu nehmen, so fern ich nur so schnell wie möglich ein Meister der Fechtkunst werden kann.“

    „Nun gut“, sagte der Meister, wenn das so ist, musst du 70 Jahre lang bei mir bleiben um etwas zu lernen. Ein Mann der so von Eile getrieben ist, und so schnell Ergebnisse erzielen will lernt nur sehr langsam.“ erklärte Banzo.

     

    „Also gut“, antwortete Matajuro, der endlich begriffen hatte, dass er für deine Ungeduld getadelt wurde. „Ich werde euer Diener sein und weder nach der Zeit fragen, noch nach dem Inhalt meiner Arbeit, ich werde ganz auf euer Können vertrauen.“

    In der folgenden Zeit war es Matajuro verboten, ein Schwert in die Hand zu nehmen, oder auch nur ein Wort über den Schwertkampf zu verlieren. Der diente dem Meister, kochte für ihn, führte den Haushalt für ihn, kümmerte sich um seinen Garten – all das mit einer aufopferungsvollen, selbstlosen Hingabe und ohne jemals ein einziges Wort über den Schwertkampf zu verlieren. Nicht einmal den anderen Schülern bei ihrem Unterricht zuzusehen war ihm erlaubt.

    So vergingen drei Jahre demütiger Arbeit. Noch immer verrichtete Matajuro seine Aufgaben und dachte oft an sein schweres Los, niemals diese Kunst erlernen zu dürfen, der er sein Leben hatte widmen wollen. Eines Tages, als er gerade abwusch und einmal mehr seinen traurigen Gedanken nachhing, schlich sich Banzo von hinten an ihn heran und versetzte ihm einen fürchterlichen Schlag mit dem Holzschwert. Ehe er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht herumdrehen konnte war der Meister auch schon wieder verschwunden. Am folgenden Tag, Matajuro war gerade dabei den Reis zu kochen, griff ihn der Meister erneut ohne Vorwarnung mit dem Holzprügel an. Danach wurde er, tagein tagaus, aus jeder Ecke, und in jedem Augenblick von Banzos Holzschwert angegriffen.

    In der Küche, im Garten und sogar mitten in der Nacht überraschte ihn der Alte urplötzlich. Banzo sah allmählich wie ein Dämon aus.

    Doch Matajuro lernte nur noch auf den Fußballen zu leben, in ewiger Bereitschaft sich zu ducken. Er verstand es, dank Konzentration, Aufmerksamkeit und Schnelligkeit eine Art sechsten Sinn zu entwickeln um Banzos Schlägen zu entgehen. Mit der Zeit wurde er zu einem Körper ohne Wünsche und Gedanken – nur noch bestehend aus ewiger Geistesgegenwart.

    Banzo lächelte und erst jetzt begann er mit dem Unterricht. Bald war Matajuro der größte Schwertkämpfer Japans.

    Das Diskotief

    Weihnachtfeier in der Karateschule Gau-Algesheim.
    Wir sitzen nach dem wunderbaren Weihnachtsessen, natürlich von Caterer unseres Vertrauens, zusammen und halten uns die Bäuche, weil es mal wieder so superlecker war.
    Da zuckt plötzlich einer der Schüler zusammen und ruft: „Sensei, wir wollten doch einen Aperitif zusammen trinken, das haben wir total vergessen. Wie wär`s denn jetzt mit einem kleinen Digestif?“
    Einer der älteren Schüler beugt sich zu mir rüber und fragt: „ Diskotief? Is` des en neuer Cocktail? Den nehm` ich auch.“

     

    Und für die, die es bis heute noch nicht wissen:
    Ein Verdauungsschnaps, auch Digestif (von lateinisch digestio ‚Verdauung‘; französisch digestif, -ve ‚die Verdauung betreffend‘, auch ‚verdauungsfördernd‘), ist ein alkoholisches Getränk, das – im Gegensatz zum Aperitif – nach einer Mahlzeit getrunken wird.

    Wie wäscht man ein Gehirn.

    Die jungen Schüler  sitzen im Aufenthaltsraum und diskutieren wie man durch mentale Stärke einen Gegner beeinflussen kann.

    Es werden wilde Theorien über Gedankenmanipulation erörtert.

    Ein Mädchen, das die ganze Zeit still zugehört hat, fragt plötzlich in die Runde:

    „Wie wäscht man eigentlich ein Gehirn?“

    Antwort  vom Sempai: „30 Grad, auf links!“

    Erleuchtungsstrahler

    Trainingslager eine Woche Österreich- Lechtal.

    Ich liege vor meinem Bett und versuche verzweifelt meinen Kugelschreiber unter Bett rauszubekommen, da meine Arme nicht lang genug sind schaffe ich es alleine nicht.

    Ich klage mein Leid einem der Jungs, der mein Treiben beobachtet hat.

    „Kein Problem! Hast du mal nen Erleuchtungsstrahler?“

    (Für alle die, die auch aus einem anderen Kulturkreis kommen = Taschenlampe.)